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Krysia's Kränze


Wer eine Geschäftsidee hat, die er verwirklichen möchte, dem wird oft geraten diese Idee erstmal in kleinem Rahmen auszuprobieren und zu testen. Auf meine Idee übertragen bedeutet das zum Beispiel, nicht erst einen Standort zu suchen, zu mieten und einzurichten, um dann Menschen zu überzeugen dort hinzukommen. Sondern es bedeutet, direkt mit potenziellen Kunden von „i trau mi“ ins Arbeiten zu kommen und zu schauen, wie das funktionieren könnte.

 

Gestern habe ich mich also mit Krystyna getroffen, um gemeinsam Osterkränze herzustellen. Krystyna ist 64, ursprünglich aus Polen und kam in den 90er Jahren mit ihrer Familie nach Wien. In ihrer Heimatstadt hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann mehrere kleine Geschäfte, darunter einen Obst- und Gemüsefachhandel und ein Blumengeschäft. Auch in Österreich arbeitete Krystyna einige Zeit im Familienunternehmen. Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Das Unternehmen des Mannes war nicht erfolgreich, die Ehe zerbrach und Krystyna lebt mittlerweile alleine im 20. Bezirk in Wien. Sie würde zwar gerne arbeiten, aber die Kommunikation auf Deutsch fällt ihr schwer. Ihr Glück sind ihre drei Söhne, die sie unterstützen und regelmäßig besuchen kommen.

 

Ich habe Krystyna etwa vor einem dreiviertel Jahr kennengelernt, als ich als neue Freundin ihres ältesten Sohnes vorgestellt wurde. Ihre Situation beschäftigte mich irgendwie. Vielleicht, weil ich mir nicht erklären konnte, warum eine so offene, vitale und unternehmerisch erfahrene Person keine Arbeit fand. Ich schlug also bei einem der letzten Familientreffen vor, gemeinsam Kränze zu binden. Sie, als jemand der die Erfahrung im Anfertigen von Blumenschmuck und Gestecken mitbrachte und ich, als diejenige die sich um das Drumherum kümmern würde. So bestellte ich also ein paar Materialien und vereinbarte mit Krystyna den Treffpunkt. Gestern holten wir die Zweige, Blüten, Strohkränze usw. ab und fuhren damit in die Nordbahnhalle. Dort kann man kostenlos riesige Arbeitstische nutzen und die Infrastruktur ist für so ein Vorhaben perfekt.



Während ich noch mit den ersten Handgriffen beschäftigt war, hatte Krystyna schon den ersten Kranz fast fertig. Ihrem Tempo konnte ich zwar nicht folgen, aber trotzdem waren wir etwa zwei Stunden später mit den fünf Kränzen fertig, für die wir Material dabeihatten. Ich glaube wir waren beide recht zufrieden mit dem Output. In Krystynas Wohnung und bei Kaffee und Plackis (einer polnischen Version von gebackenen Äpfel), stellten wir dann gemeinsam die Kränze auf willhaben. Es stellte sich heraus, dass man für den Verkauf selbstgemachter Dinge eine gewerbliche Anzeige schalten und ein paar Euro bezahlen musste. Auch gut. Es geht ja genau darum herauszufinden, wie man eigene Produkte an den Mann oder in diesem Fall eher an die Frau bringen kann.

 

Was habe ich also aus diesem ersten Versuch über meine Geschäftsidee gelernt? Ich habe gesehen, dass das Angebot, mich um die Bereitstellung der Materialen zu kümmern und einen Arbeitsort auszuwählen, mit Freude angekommen wurde und Krystyna sehr motiviert und professionell an den Kränzen gearbeitet hat. Es hat uns beiden Spaß gemacht diesen Tag miteinander zu verbringen, an dem wir etwas Angreifbares geschaffen haben. Interessant wird jetzt der Vermarktungsaspekt werden, denn davon hängt natürlich ab, ob und wie es mit Krysia‘s Kränzen weitergeht… 

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