· 

Kunden-Kosten-Crashkurs


Schon seit Monaten möchte ich mir den Werksalon, eine Werkstatt für Hobby- und Profitischler und Co-Working Space für künstlerische Tätigkeiten, ansehen. Bis heute hatte ich es nicht geschafft, vermutlich auch aufgrund des Standortes in Donaustadt – eine Gegend in die mich nur sehr selten etwas führt. Als ich aber feststellte, dass im Rahmen von „Gründen in Wien“ zwei interessante Vorträge im Werksalon stattfinden sollten, hatte ich zwei Gründe mehr um mich auf die Reise in den 22. Bezirk zu begeben.

 

Am Programm standen Marketing und Preiskalkulation für Gründer/innen, beides Themen, denen man sich nicht oft genug widmen kann. In etwa 90 Minuten lernten die Teilnehmer Tools wie das Business Model Canvas, den Lean Approach und die Empathy Map im Schnelldurchlauf kennen. Alle diese Ansätze sollen Gründer dabei unterstützen ein Angebot zu schaffen, das aus Sicht der Kunden ein bestehendes Problem löst oder ein Bedürfnis erfüllt. Dass das eigene Produkt oder Service für Kunden einen Nutzen stiften muss, klingt völlig einleuchtend. In der Realität wird dies laut Antoinette Rhomberg, Geschäftsführerin des Werksalons und Unternehmensberaterin, aber häufig aus den Augen verloren. Aspekte wie Gewerbeanmeldung, Steuern, Sozialversicherung, Betriebsanlagen-genehmigung usw. können einem schon mal den Blick auf das Wesentliche vernebeln, berichtet Antoinette von ihren Beobachtungen. Ihr Rat ist – und der zählt für mich zu den wesentlichsten Learnings aus diesem Vortrag – das 10x10 Prinzip anzuwenden. Das bedeutet 10 Mal 10 Gespräche mit potenziellen Kunden zu führen um zu lernen, wie die eigene Idee überhaupt ankommt. Erst wenn man selbst in der Lage ist Menschen für sein eigenes Produkt oder Service zu interessieren, kann man erwarten, dass auch andere dieses später verkaufen können, so Antoinette.

  

In der Pause zwischen dem ersten und zweiten Vortrag spreche ich mit einem der im Werksalon eingemieteten Handwerker. Der Schweizer Bruno erzählt mir von seiner Tätigkeit als Hersteller von Gerten und Peitschen, während er weiterhin an einer langen Gerte flicht. 18 Stunden Arbeitszeit fließt in ein einzelnes Stück, erfahre ich. Die Frage, ob sich dieses Geschäft rechnet, stelle ich mir aber aus Respekt nur selbst. Vielleicht möchte ich es auch angesichts der Leidenschaft von Bruno und seiner täglichen Arbeitszeit von 12 Stunden nicht wissen. 



Dem Thema Kosten- und Preiskalkulation widmet sich nun der zweite Vortrag. Am Beispiel eines kleinen Holztisches gehen wir die kostenorientierte Preiskalkulation Schritt für Schritt durch. Besprochen werden Fragen wie „Welche Kosten-Arten gibt es?“, „Wie kalkuliere ich meinen Unternehmer/innen-Lohn?“ und „Wie berechne ich meinen eigenen Stundensatz?“. Trotz der kurzen Zeit werden viele wichtige Punkte gut nachvollziehbar präsentiert. Das Fazit ist allerdings etwas ernüchternd: Mit Holztischchen den Lebensunterhalt zu verdienen ist wohl nichts, was man anstreben sollte. Es sei denn man produziert und verkauft mehr als 400 Stück im Jahr…

 

Zum Abschluss teilt Antoinette noch eigene Erfahrungen, die sie und Co-Founder Martin Papouschek gemacht haben. Es stellt sich heraus, dass der Werksalon zur Gänze mit Eigenmittel aus den laufenden Einnahmen finanziert wurde. Damit gehören die beiden aus meiner Sicht zu jenen Unternehmern, die wirklich wissen wie es geht. Martin führt dann noch die verbliebenen Teilnehmer durch den Werksalon, zeigt die bereitstehenden Geräte und Werkzeuge her und berichtet von den angebotenen Nutzungsmodellen. Mittlerweile ist es auch etwas frisch geworden in der geräumigen Werkhalle und ich verabschiede mich von den sehr sympathischen Gründern des Werksalons.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0