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Hier, Jetzt, Gleich


Menschen aus dem Entrepreneur-ship-Bereich oder der Start-up-Szene, also jene, die sich mit Unternehmertum oder der Gründung eines Unternehmens befassen, ist der Begriff „Opportunity Recognition“ geläufig. Er bezeichnet die Fähigkeit, eine unternehmerische Gelegenheit als solche zu erkennen. Beispiels-weise, wenn man in der Hitze Athens zum Parthenon hinaufgeht und feststellt, dass - oben angekommen – die mitgebrachte Wasserflasche leer ist und es keine Versorgung mit Getränken gibt. Ta-taaa: Das ist sie, die unternehmerische Gelegenheit. Es gibt einen Bedarf oder ein Problem, aber keine Lösung. Die tatsächlichen Unternehmer sind dann jene, die auch „Opportunity Exploitation“ betreiben. Also jene, die einen Stand neben dem Parthenon aufmachen und den durstigen Touristen überteuertes kaltes Wasser verkaufen.

 

Ich möchte heute ein Plädoyer schreiben über das Erkennen und Nutzen von Gelegenheiten. Abgesehen von den unternehmerischen Gelegenheiten, finde ich es generell sehr wichtig, sich bietende Chancen zu nutzen. Wer seine eigene Idee verfolgt und mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht überall Chancen, etwas über das eigene Vorhaben zu lernen: Das Treffen mit den Freundinnen wird dann zur Feedback-Runde umfunktioniert, der Besuch öffentlicher Einrichtungen mutiert zu einer teilnehmenden Beobachtung und das sonntägliche Online-Shopping wird zu einem Selbsttest.

 

Wie oder woran erkennt man aber eine sich bietende Chance? Die Basis dafür ist zunächst die eigene Einstellung. Wenn ich damit rechne jederzeit etwas Interessantes zu sehen oder zu erfahren, werde ich plötzlich viel Interessantes wahrnehmen und erleben. Umgekehrt funktioniert das natürlich auch. Gehe ich in ein Geschäft um schnell Milch und Brot zu kaufen, werde ich den guten Wein im Sonderangebot nicht wahrnehmen. Betrete ich aber das Geschäft ohne Einkaufsliste und voller Neugier, werde ich am Ende vermutlich mit einem vollen Einkaufswagen an der Kassa landen.

 

Die Chance etwas zu entdecken oder lernen wartet also überall auf uns. Das kann die Beobachtung der Menschen sein, die auf die U-Bahn warten, ein Artikel in der Gratiszeitschrift, ein sympathischer Sitznachbar im Zug oder die Ankündigung einer Abendveranstaltung in einem Lokal um die Ecke. Die Qualität einer Chance hat nichts damit zu tun, ob sie besonders selten auftaucht oder schwer zu erkennen ist.

 

Hat man eine Chance erkannt, muss man sie nutzen und zwar am besten sofort. Was heißt das? Für die eben genannten Beispiele hieße das, die eigene Beobachtung zu reflektieren und zu notieren, den Artikel aus der Zeitschrift mit nach Hause zu nehmen, ein Gespräch mit dem Sitznachbarn zu beginnen oder tatsächlich auf die Veranstaltung zu gehen. Vor allem das Ansprechen von Unbekannten oder alleinige Aufsuchen von Veranstaltungen kann schon mal Überwindung kosten, aber es lässt sich trainieren.

 

Je öfter man seine Wahrnehmung „auf Empfang“ stellt oder auf andere zugeht und von seiner Idee erzählt, desto besser wird man darin. Abgesehen davon erfahren immer mehr Menschen von der eigenen Idee oder dem Vorhaben und das steigert widerum die Wahrscheinlichkeit auf zukünftige sich bietende Gelegenheiten. Es macht also nicht nur doppelt Sinn, sondern im Laufe der Zeit immer mehr Spaß. Durch das Erkennen und Ergreifen von Chancen kommen wir schneller voran und mit der Freude am Tun kommt auch früher oder später der Erfolg. 

 

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