· 

Marianne(s) Reich


Mein erstes Portrait in diesem Blog widme ich jener Frau, die mich in meiner Zeit an der Wirtschaftsuniversität Wien über viele Monate hinweg als Coach begleitet hat, und der ich viele Einsichten, Erkenntnisse und Gefühlserlebnisse zu verdanken habe. Bei unseren Sitzungen standen immer meine Arbeit bzw. mein Leben im Fokus und oft hätte ich den Spieß gerne umgedreht, um etwas über meinen Coach und ihre Erfahrungen zu hören. Das ist mir letzte Woche gelungen. Ich kann und darf nun also von Marianne Reichs beruflicher Reise erzählen und ihre Erfahrungen und Empfehlungen mit meinen Lesern teilen. 

Marianne Reich erzählt von ihrer beruflichen Reise
Marianne Reich erzählt von ihrer beruflichen Reise

Knapp drei Jahrzehnte arbeitet Marianne in einem internationalen Konzern im Personalbereich, bevor sie beschließt eigene Wege zu gehen. Ausgelöst durch einen Unternehmenszusammenschluss und dem damit eingehergehenden wenig erfreulichen Wandel der Unternehmenskultur, kehrt sie zwar dem Konzerndasein den Rücken, nicht aber dem Fach. Und so startet Marianne ihre Selbstständigkeit mit Führungskräfte- und Organisationentwicklung und Coaching. Dieser Schritt in die Selbstständigkeit sei ihr leicht gefallen, erzählt sie, denn sie hatte das Gefühl dort alles gelernt und mitgenommen zu haben, was möglich war. Gleichzeitig wusste sie, dass sie nicht wieder in eine neue Struktur integrieren wolle, sondern größeren Freiraum brauche.

 

Die Selbstständigkeit entwickelt sich gut, aber irgendwann erkennt Marianne, dass sie ihre Arbeit nicht mehr erfüllt. „Das Oberflächliche, nicht wirklich an die Menschen heranzukommen, das hat mich gelangweilt“, erzählt sie. „Meine Stärke ist es in das Spüren reinzugehen“. Da es nicht richtig wäre für sie und ihre Kunden an dieser Stelle weiterzumachen, lässt sie den Personalbereich zunächst hinter sich.

 

Marianne widmet sich daraufhin ihren eigenen Bedürfnissen und Träumen, stellt sich die Frage „Was will ich eigentlich wirklich?“. Sie entdeckt ihre Kreativität und beginnt Stoffe zu färben und zu bedrucken, arbeitet mit Marialien aus der Natur und bekommt neuen Aufwind. Die kreative Arbeit nimmt sie völlig ein und sie zieht sich zurück. Am Höhepunkt der Produktion von Tüchern und Schals betreibt Marianne sogar ein kleines Geschäft im 9. Bezirk Wiens. Aber auch das ist nicht von Dauer: Die Geschäftsöffnungszeiten schränken sie ein und auch die Arbeit mit den Menschen fehlt ihr.



Diese Feststellung führt ein weiteres Mal zu einem Fokus auf die eigene Entwicklung und Fragen wie „Wer bin ich?“ oder „Was treibt mich an?“. Marianne erkennt, dass ihre wahre Reise nicht im Außen, sondern im Inneren stattfindet. Die Reise in die eigene Verbundenheit und zu sich selbst. Als Resultat greift sie wieder die Arbeit mit Menschen auf, bietet Coachings und ganzheitliche Begleitung an. Auch das Kreative erfindet sich neu. Marianne beginnt verstärkt der eigenen Freude zu folgen, anstatt alten Konzepten nachzurennen. Dass Arbeit spielerisch sein darf und dabei auch Geld fließen darf, ist ihr klar.

 

Auch heute ist Marianne nicht angekommen auf ihrer Reise. „Ankommen ist eine Illusion. Es wird leichter, lustiger, freudvoller, aber es geht weiter.“ Unterstützung bei diesem selbstbestimmten Weg hat sie von ihrer unmittelbaren Umgebung nicht von allen Menschen bekommen. „Wenn man sich erlaubt ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen, dann fühlt es sich manchmal so an, als wäre man alleine am Spielfeld und alle anderen sitzen auf der Tribune und warten bis man scheitert", erzählt Marianne. Daher ist es für sie wichtig, genau zu unterscheiden, welche Menschen ihr gut tun, und welche nicht: Ich umgebe mich mit Menschen, bei denen ich mich wohlfühle und wachsen kann, die mit mir schwingen wollen".

 

Als Selbstständige kein fixes Einkommen zu haben, ist manchmal eine Herausforderung, sollte einen aber nicht dazu verleiten, Dinge zu tun, hinter denen man nicht steht. Dinge, die nicht aus der Freude passieren, sondern die uns unser Kopf weis machen will. Was Marianne dabei geholfen hat, die mit der Selbstständigkeit verbundene Unsicherheit auszuhalten und immer weiter zu machen, ist ihr „Urwissen, dass alles gut ist“. Es geht darum, aus dem Müssen herauszugehen und sich nicht von der hektischen Produktivität anderer anstecken zu lassen. Vielmehr ist ein langfristiger Blick gefragt, ein sich selbst den notwendigen Raum geben und Vertrauen darin zu haben, dass sich alles selbst regeln kann.

 

Auf die Frage, was sie anderen mitgeben kann, die sich auch auf die Reise zur beruflichen Erfüllung machen, antwortet Marianne, dass man auf nichts warten solle. „Man muss es nicht ganz genau wissen und planen, sondern es einfach ausprobieren und erste Schritte setzen.“ Parallel dazu wäre es sinnvoll, sich auf die innere Reise zu begeben, teilt Marianne ihre Erfahrungen. „Wenn man Erfüllung haben will, muss man im Inneren erfüllt sein“. Das kann man erreichen, indem man lernt sich zu spüren, sich anzunehmen und eine Instanz im Inneren zu finden. Folgt man der inneren Stimme, werden die Meinungen anderer immer unwichtiger.

 

Marianne Reich hat die Entscheidung den Konzern-Job zu kündigen, um sich selbstständig zu machen keine Sekunde bereut. „Es war immer die richtige Entscheidung, trotz aller Herausforderungen", sagt sie. Lachend ergänzt sie „Ich bin mir täglich dankbar für meine Kühnheit“.

 

Weitere Informationen über Marianne Reich findest du hier.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0