· 

Den Absprung schaffen: Teil 1


Wenn es darum geht den Mut, die Kraft oder die Ressourcen aufzubringen, das eigene Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen, fallen einem viele Gründe ein, warum man „noch nicht so weit ist“ (siehe auch Artikel Vom Denken und Tun). Auch ich bin diesbezüglich keine Ausnahme: Vor kurzem wurde ich von einem Business Coach als `overcoacht´ bezeichnet und von einem erfahrenen Unternehmer wurde mir geraten, von einem `Think Tank‘ zu einem `Do Tank´ zu werden. Anlass genug, um der Frage nachzugehen, wann man das Recherchieren, Diskutieren und Analysieren fürs Erste beenden sollte, um sich voll und ganz der Umsetzung der Idee zu widmen.

 

Photo by Tommaso Fornoni on Unsplash
Photo by Tommaso Fornoni on Unsplash

Zu meinem Glück habe ich jemanden an meiner Seite, der mich auf dem Weg vom Denken ins Tun unterstützt: Der Transformationsmanager Peter Schäfer begleitet seit Jahren Menschen bei der beruflichen Neuorientierung und seit wenigen Wochen auch mich. Obwohl der Prozess mit ihm noch nicht abgeschlossen ist, möchte ich schon jetzt ein paar Anregungen mit euch teilen, die mir sehr geholfen haben.

Wann weiß ich genug über meine Idee?

 

Während meiner Ausbildung habe ich oft gehört, dass Menschen in ihre Idee, in das selbst erdachte Produkt oder Service `verliebt´ sind und deshalb nicht in der Lage wären, dieses zu hinterfragen oder Kritik von außen anzunehmen. Wenn denn überhaupt Kritik geäußert wird – denn wer sagt einem denn schon, was er wirklich von der Idee hält? Die eigenen Freunde oder die Familie? Wohl eher nicht. Aber auch weniger nahestehende Personen machen sich nicht gerne unbeliebt, indem sie eine Idee kritisieren, von der man gerade voller Begeisterung erzählt hat.

  

Wie soll man da also jemals herausfinden, ob andere die eigene Idee wirklich gut finden, das Vorhaben unterstützen werden und am Ende sogar bereit sind für ein Produkt oder eine Leistung zu bezahlen?

Hätte ich nicht Peter Schäfer kennengelernt, würde ich vielleicht noch weitere Monate damit verbringen Menschen von meiner Idee zu erzählen und darauf zu warten, dass jemand mir sagen würde: „Was für eine Schnapsidee!“ Denjenigen, die sich positiv geäußert hatten, konnte man schließlich nicht glauben

 

Peter erkannte recht schnell, dass ich mich hinter meinem vermeintlich „mangelnden Wissen“ verstecken würde. Er schlug mir vor alle Gespräche noch einmal geistig durchzugehen, die ich mit anderen über meine Idee geführt hatte. Insbesondere sollte ich darauf achten, welche Unterstützungs- oder Kooperationsangebote ich erhalten hatte. Ich begann also eine Liste zu schreiben. Zunächst standen da natürlich meine Familie und Freunde. Dann kamen die Freunde und Bekannten der Familie und Freunde, dann alte und neue Bekannte, Coaches, Experten etc. etc. Als ich bei über 100 Personen angekommen war, hörte ich auf. Ohne im Detail die jeweiligen Gespräche noch einmal Revue passieren zu lassen, wurde mir klar, dass ich tatsächlich bereits genug geredet hatte. Ich hatte Feedback, Anregungen, neue Kontakte und Unterstützung von vielen Menschen bekommen, die sich in Bezug auf ihr Alter, ihre Ausbildung, ihren Erfahrungsschatz, ihre Interessen und Bedürfnisse deutlich unterscheiden.

 

Weiß ich jetzt alles über meine Idee? Natürlich nicht. In jedem Gespräch erfahre ich wieder etwas Neues. Aber es wird immer weniger, was ich noch nicht gehört oder gelesen hatte, selbst noch nicht entdeckt oder gedacht hatte. In der Wissenschaft bezeichnet man diesen Zustand treffenderweise als „theoretische Sättigung“.

 

Um zu erkennen, ob man genug Wissen über Gespräche, Artikel, Büchern, Statistiken und Online Recherche angesammelt hat, gibt es also zwei deutliche Indikatoren:

  1. Man erkennt selbst, dass die Informationen von außen immer weniger wichtig oder neu sind.
  2. Man bekommt die Rückmeldung von anderen, dass man zu einem „Experten“ auf dem eigenen Gebiet geworden ist. 

Wie geht es jetzt weiter?

 

Der nächste Schritt in Richtung Umsetzung ist sich eine neue geistige Haltung anzueignen. Und zwar wegzukommen von der „Ich-habe-eine-Idee.-Was-hältst-du-davon-?“-Haltung in eine „Ich-setze-meine-Idee-um!“-Haltung. Wie man diese erreicht und welche Erfahrung ich damit gemacht habe, berichte ich in Teil 2 von „Den Absprung schaffen“. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0