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„Du musst es nur wollen, dann schaffst du es.“


Der ehemalige Chef des Volkstheaters, Regisseur und Schauspieler Michael Schottenberg ist seit seiner Pensionierung vor drei Jahren in völlig neuen Gebieten unterwegs. Als Buchautor, Teilnehmer an Dancing Stars und Lesepate verfolgt er sein Credo, sich etwas Neues zu trauen. Darum haben wir ihn gebeten, bei unserer i trau mi - Messe am 3. Oktober im Alten Rathaus zu erzählen, wie er den Mut aufgebracht hat, sich an neue Dinge heranzuwagen. Ein paar erste Einblicke verrät er schon in einem Vorgespräch mit Nadine Izdebski, Initiatorin von i trau mi.

 

Michael Schottenberg hat sich getraut, was viele Menschen seines Alters sich nicht hätten vorstellen können: Alleine mit Rucksack auf Reisen zu gehen. In Ländern unterwegs zu sein, deren Sprache man nicht beherrscht und das ganz alleine und ganz ohne Luxus. Die Karriere als Reisebuchautor kam völlig ungeplant, berichtet er. Eigentlich wollte er seine Frau an seinen Erlebnissen in Vietnam teilhaben lassen und verfasste ein Reisetagebuch. Zu dieser Zeit gab es einen Verlag, der Interesse an seiner Biographie gehabt hätte. Da Schottenberg aber keine solche verfassen wollte, machte er dem Verlag ein Gegenvorschlag: Eine Buchreihe über seine Reisen. Ohne Zusage des Verlags in der Tasche, machte er sich erneut auf, um neue Orte zu erkunden und seine Eindrücke schriftlich festzuhalten. Aus dem Impuls „Ich weiß jetzt was ich will, ich schreib jetzt einfach“, sind bis heute drei Bücher entstanden, ein viertes steht kurz vor der Veröffentlichung. 

 

Sich mitzuteilen ist dem 67-jährigen wichtig. Darum hält er nach seiner Pensionierung Vorträge an Volkshochschulen, später in Buchhandlungen und Altersheimen. Schottenberg möchte nicht nur sich selbst neu erfinden, sondern auch anderen Mut machen etwas zu tun, was man nicht kann. Das Potenzial ist in jedem Menschen, sagt er und ergänzt „Du musst es wollen, dann schaffst du es“. Diese Überzeugung hat ihn auch zu einer Teilnahme an Dancing Stars 2019 bewogen, einer TV-Sendung, in der er zum Publikumsliebling avancierte und den zweiten Platz belegte. Sein Alter spielte ihm hierfür vermutlich in die Karten.

 

„Im Theater sind die Alten seit jeher die Stars. Sie stehen im Mittelpunkt und man schuldet ihnen Achtung.“, berichtet Schottenberg aus seinen Jahrzehnten als Schauspieler und Regisseur. Das ist ganz anders als außerhalb des Theaters: „Hier gibt es keinen Rat der Älteren – im Gegenteil, die Alten sind das siebte Rad am Wagen“. Das Schlimmste daran wäre, plötzlich nicht mehr vorhanden sein zu dürfen. Warum sich das eine Gesellschaft leistet, wäre ihm unbegreifbar.

 

Seit drei Jahren fördert Schottenberg die Freude am Fantasieren und an Geschichten als Lesepate an einer Wiener Volksschule. Auch bei seinem ersten Kinderbuch, das am 31. Oktober 2019 im Rathaus Wien präsentiert wird, gibt es einen tieferen Sinn: Die Hauptakteure in seinen Geschichten sind Tiere, die zu Außenseitern wurden. Dass Tiere es ihm angetan haben, zeigt auch sein Wunsch, einmal im Leben den Nilpferden im Tiergarten Schönbrunn Salatköpfe ins Maul zu werfen… Vielleicht können wir ihm dabei helfen, diesen Wunsch irgendwann zu erfüllen ;-)...

Foto von Gabriela Brandenstein

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