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i trau mi! trau i mi?


 Gastbeitrag von Marlene Hajek

 

„Und? Was haben Sie für eine Idee?“ fragte mich auf der „Best Ager Messe“ eine Dame.

„Ach ich hätte viele Ideen . . .“ antwortete ich, ging aber nicht näher im Gespräch darauf ein. Aber die Frage ging mir am Nach-Hause-Weg und in den darauffolgenden Tagen nicht aus dem Kopf.

 

Ich bin seit 4 Jahren in Pension. Ich habe einen Mann, eine kleine Wohnung und einen Garten mit Wochenendhäuschen, eine große Enkeltochter und einen kleinen Enkelsohn, der bald drei wird. Langweilig ist mir noch nie geworden. Im Gegenteil, manchmal wird mir alles zu viel und ich würde gerne „durchtauchen“ und an anderer Stelle wieder hochkommen.

Und dann ist dieses „Ja, aber. . .“

 

Zum Beispiel würde ich gerne eine Kolumne schreiben. Ja, aber wen wird das Interessieren?

Ich wäre gerne Bloggerin! Ja, aber wie ist das mit dem Internet? Kann ich damit gut genug umgehen?

Ich war Lehrerin mit Leib und Seele und habe auch nach meiner Pensionierung weitere Ausbildungen zum Lerncoach gemacht. Gerne würde ich einen Nachmittag pro Woche, Kinder unterstützen. Ich weiß aus meiner aktiven Zeit als Lehrerin, dass viele Kinder diese Unterstützung bräuchten. Ja, aber wie soll ich das in die Tat umsetzen?

 

Und dann ist da noch das Alter! Leben wir doch in einer Zeit des Jugendwahns. Mit 50 gilt man als alt. Wer will denn von einer Frau mit bald 68 Jahren etwas lesen oder gesagt bekommen? Und vielleicht nimmt man einer oder einem Jüngeren sogar die Chance oder den Arbeitsplatz weg?

 

Andererseits profitiert die Kosmetikbranche sehr gut vom Alter ihrer Kundinnen und Kunden (denn auch Männer gehören dazu), indem sie ihnen versucht klarzumachen etwas gegen die beginnenden Fältchen zu unternehmen. Und die Kreuzfahrt- und Tourismusbranche braucht uns „Alten“ ebenso, denn die Kreuzfahrtschiffe sind ausgebucht damit.

Also sind wir 60+ eigentlich ein wichtiger Faktor in der Wirtschaft. Aber sind wir das auch in der Gesellschaft? Räumt man uns einen Platz ein?

 

Ja, aber Platz und Raum hat nur der oder die, die ihn sich auch nimmt. Wenn man immer „nur“ davon träumt, wird man es nie wissen.

 

Hoppla! Da ist es wieder mein „ja, aber“. Ja, aber diesmal auf der Seite des Mut Machens! Also was mache ich zuerst? Auf geht’s, i trau mi!

Autorin Marlene Hajek
Autorin Marlene Hajek

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Kommentare: 1
  • #1

    Roswitha Trexler (Mittwoch, 30 Oktober 2019 17:58)

    .. ich werde 75! bin noch teilwese berufstätig (Psychotherapeutin) wandere gerne und viel im Wienerwald, freu mich schon auf Schifahren