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Weihnachten wie's früher war


Von Marlene Hajek

 

Am 23. November öffneten die Christkindlmärkte, Lebkuchen und Nikolo fand ich schon ab Oktober in den Regalen und nun beginnt die Dauerberieselung mit Weihnachtsmusik. Ich habe mir eine Liste mit Terminen und Erledigungen erstellt und versuche diese in meinem Monatskalender unterzubringen. Uff ... Stress pur ... und dabei würde ich mich so gerne auf Weihnachten freuen, so wie früher ...

 

Aber wie waren die Weihnachten früher?

 

Ich hatte einen Adventkalender mit Bildern. Jeden Tag öffnete ich neugierig ein Fenster. Aber so um den 20. Dezember herum, schloss ich wieder alle Türchen und spielte in meiner Fantasie nochmals den Advent durch, indem ich die Türchen nochmals öffnete. Zum einen konnte ich Weihnachten kaum erwarten, auf der anderen Seite aber liebte ich den Advent und die Zeit der Vorbereitungen und fand es immer ein bisschen schade, dass alles bald vorbei sein sollte.

Wenn es dann am 24. Dezember endlich soweit war, fuhren mein Vater und ich vormittags mit dem „71er“ auf den Zentralfriedhof zum Grab meiner Großmutter und meines Bruders, der bereits im Alter von vier Wochen 1946 verstarb. Friedhofsbesuche waren für mich in meiner Kindheit immer etwas Besonderes und hatten nichts Unangenehmes an sich. Außerdem gab es abschließend immer Maroni, die die Hände und den Magen erwärmten.

 

Wenn wir mittags wieder zurückkamen, war die Türe zum Wohnzimmer bereits verschlossen.  Meine Mutter teilte mir mit, dass das Christkind bereits fleißig damit beschäftigt sei den Baum zu schmücken und auch sie dabei mithelfe. Die Eltern huschten in der Wohnung umher, immer bemüht, nur ja keinen Einblick in das Zimmer freizugeben.

Von nun an hielt ich mich in der Küche auf. Mittags gab es eine Kartoffelsuppe und Nuss- oder Mohnstrudel, den Mutter am Tag zuvor buk. Mein Vater hielt sich bei der Suppe eher zurück, dafür aß er gerne mehrere Stücke vom Strudel. Mutter kontrollierte aber immer genau, denn sonst gab es zu den Feiertagen ja keinen mehr!

 

Den Nachmittag verbrachte ich mit dem Basteln von Strohsternen, Silberketten, Folienengeln oder Tischkarten, etc. ... irgendetwas fiel mir immer ein. Dazu hörte ich Radio, denn Fernseher gab es damals noch nicht oder zumindest wir hatten noch keinen. Ab fünf Uhr nachmittags fragte ich ungeduldig nach, wann denn das Christkind endlich fertig sei?

Und dann endlich, endlich war es soweit ... ich hörte eine Glocke, und langsam öffnete sich die Wohnzimmertür ... und da stand er – mein Weihnachtsbaum – ein Wunder aus glitzerndem Lametta und Kerzenschein, der bis zur Decke reichte! Das war für mich Weihnachten!

 

Erst ein paar Jahre später begriff ich, dass der Christbaum gar nicht soo groß war, denn er befand sich auf dem Flügel, das war das Klavier, das in unserem Wohnzimmer stand. Und das Glöckchen war die Improvisation meines Vaters, nämlich ein Kaffeelöffel in einem leeren Glas, der hin und her geschwenkt wurde. Für mich waren es aber die zartesten Himmelsrufe.

Das waren die Eindrücke und Gefühle eines Kindes. Die Realität aber war, dass meine Mutter, genauso wie die Mütter heute, viel zu tun hatte in der Vorweihnachtszeit. Internetshopping gab es nicht, auch Preisvergleiche musste man vor Ort machen, und das erforderte mehrmalige Wege. Auch Auto hatten wir keines und eine Shoppingcity, in der man mehrere Erledigungen an einem Tag machen konnte, gab es ebenfalls noch nicht.

 

Die elterliche Wohnung befand sich im 4. Stockwerk ohne Aufzug. Alle Einkäufe mussten also hinaufgeschleppt werden. Geheizt wurde mit Koks und auch der musste täglich mit dem Kübel vom Keller geholt werden. Eigentlich, aus heutiger Sicht betrachtet, war alles viel beschwerlicher. Nein, ich möchte nicht mehr tauschen mit den 50er-Jahren. Ich bin heute, im Hier und Jetzt, sehr zufrieden. 

 

Weihnachten findet innen drinnen statt. Damals im Stall von Bethlehem, heute in den Wohnungen, aber vor allem in uns! Mein Vater öffnete noch mit 75 Jahren täglich ein Türchen von seinem Adventkalender und bewahrte sich so den Zauber der Vorweihnachtszeit bis in hohe Alter. Ist es nicht egal was rundherum alles abläuft, solange in uns Weihnachten ist?

Kolumnistin Marlene Hajek

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