Drinnen und Draußen in Zeiten von Corona


Kolumne von Marlene Hajek 

 

Das Leben während der Corona-Krise ist ein Leben drinnen und ein Leben draußen.

 

Wir, mein Mann und ich, haben es gut. Zu Beginn der Corona-Krise mit den Ausgangsbeschränkungen zogen wir in unser Wochenendhaus. Zum Unterschied zu unserer Wiener Wohnung haben wir hier einen Garten und können auch im nahen Wald kurze Spaziergänge unternehmen. In der ersten Woche war ich mit dem Hausputz und dem „gemütlich machen“ der Räumlichkeiten beschäftigt.

 

In der zweiten Woche organisierte ich unsere Einkäufe.  Es gibt hier eine tolle Dorfgemeinschaft, Facebook-Gruppen und Nachbarschaftshilfe. Auch für den Garten wollte ich einige Frühlingsblumen und Salatpflänzchen. Unsere Enkeltochter hatte Geburtstag, also bestellte ich ein Geschenk . . . Insgesamt verbrachte ich täglich mehrere Stunden beim Computer, um mich zu registrieren, Passwörter zu erstellen, zu ordern oder bereits vereinbarte Termine und Arztbesuche zu verschieben. Auch das ist eine Art Homeoffice!

 

In der dritten Woche kehrte dann so etwas wie ein Alltag ein. Aber dieser war doch irgendwie anders. Hatte ich vor Corona einen vollen Wochenkalender und deshalb täglich ein Programm, so ist jetzt ein Tag wie der andere. Niemand zwingt mich zeitig aufzustehen, weil ich um 9 Uhr oder 10 Uhr schon irgendwo sein muss. Und so ist man versucht sich nochmals umzudrehen und weiterzuschlafen. Verlängertes Frühstück für Spätaufsteher mit fließendem Übergang zum Mittagessen und anschließendem Mittagsschläfchen?

 

Nein, so kann das nicht weitergehen! Es muss eine neue Tagesstruktur her mit fixen Zeiten für Sozialkontakten, Gymnastik und Bewegung, sowie dem Ausprobieren von Neuem.  Aber mir fehlt etwas:

Mir fehlt das reale Einkaufen gehen und Besorgungen machen. Mir fehlt die Fahrt zum Gärtner und der Anblick von hunderten bunten Blumen, Sträuchern und Pflanzen. Mir fehlt der Bummel durch die Innenstadt mit anschließendem Kaffeehausbesuch. Mir fehlt die Nähe zu meiner Familie und Freunden!

 

Ja natürlich, ich bekomme alles geliefert. Wir skypen täglich, machen Witzchen und schicken Bilder mit Whats App, aber es ist so, als würde das Leben draußen vorüberziehen. In der Zeitung und im Fernsehen gibt es Werbung für Sonderangebote, aber besorgen tun es die anderen. Ich lebe drinnen und die anderen draußen. Es ist gut, dass es das Internet gibt. Es ist die Verbindung zwischen drinnen und draußen. Besonders für uns 60+ und andere Risikomenschen.

 

Es ist nicht mehr lange bis Ostern, das Fest der Auferstehung. Der Winter ist vorbei und die Natur rüstet sich für einen Neubeginn und ist darin nicht zu bremsen. Trotz Kälte treibt es das Blühen und Nisten der Vögel voran. Ich will hoffen und daran glauben, dass es auch für alle Menschen, die irgendwie unter der Corona-Krise leiden, bald ein Ostern gibt. Dass die Kranken wieder heil werden und es Hoffnung und einen Neubeginn gibt und dass das Leben wieder drinnen und draußen stattfinden kann.

 

Frohe Ostern!

Siehe: marlenes-Gedankenwelt.blogspot.com

Ostergruß aus dem Garten von Marlene Hajek
Ostergruß aus dem Garten von Marlene Hajek

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Kommentare: 1
  • #1

    Marianne (Dienstag, 07 April 2020 17:17)

    Ja genauso ist es und auch wenn man zu Zweit oder Alleine ist gilt es die Situation zu meistern.
    Aber sehr gut beschrieben und trifft alles auf den Punkt.