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Und plötzlich war alles ganz anders... Gedanken zur Corona-Krise


von Marlene Hajek

 

Noch vor einer Woche trafen wir uns, um perfekte Handyfotos zu machen. . .

Ja natürlich, wir gaben uns nicht die Hände, ich ging auch nur mehr mit Handschuhen außer Haus . . .

Aber ich hatte das Gefühl, das war es dann, und in dieser Form geht es weiter . . .

 

Doch es kamen täglich neue Verordnungen und schön langsam, auch nachdem mir meine Kinder eindringlich klar machten, dass ich meinen Enkelsohn nicht mehr beaufsichtigen darf, sickerte der Ernst der Lage in mein Bewusstsein. Beklagte ich mich noch vor Kurzem, dass mein Kalender vollgepfercht mit Terminen ist, stand ich plötzlich vor einer ganz neuen Situation: Ich musste nicht mehr dies und das noch heute erledigen, nur weil ich sonst diese Woche nicht mehr dazukommen würde. Plötzlich hatte ich alle Zeit der Welt!

 

Wir „Best Ager“, die immer helfen, wo, wie und wann es nur ging, „mussten nichts tun“. Wir wären nun diejenigen, die schützenswert sind! Das war für mich ein neues Gefühl und berührte mich sehr!

 

OK, dachte ich mir, dann soll es wohl so sein. Die freiwillige Zurückgezogenheit ist unser Beitrag, den wir der Allgemeinheit und dem Gesundheitssystem leisten können. Helfen wir den Jungen, indem wir uns helfen und unseren Alltag neu gestalten. Plötzlich haben wir Zeit für uns!

 

Wie auf der i trau mi-Homepage zu sehen ist, gibt es dazu die verschiedensten Möglichkeiten. Einige haben nun vermehrt Zeit für ihr Hobby oder widmen sich noch intensiver ihren Vorhaben. Es könnte aber auch ein Überdenken dieser Vorhaben sein, ein Evaluieren des eingeschlagenen Weges. Stimmt die Richtung? Welche Hindernisse könnten durch diese neue Situation auftreten? Welche Maßnahmen, welche neuen Schritte könnte ich, könnten wir setzen? Denn ich denke, nein, ich bin fest davon überzeugt, nach Corona wird nicht vor Corona sein!

 

Für mich zum Beispiel ist der Umgang mit den sozialen Medien neu. Ja, ich hatte zwar Facebook auf meinem Handy, aber ich verwendete es nicht. Nun, da wir abgeschottet am Land leben, trat ich verschiedenen Facebook-Gruppen unserer Gemeinde bei. Ich schilderte meine/unsere Situation, und plötzlich kamen achtzehn (!) Angebote für Besorgungen, Einkauf, Apotheken usw. Ich war überwältigt! Und es war für mich anfangs gar nicht leicht diese Hilfe auch anzunehmen, aber ich traute mich! Plötzlich hatten wir ein neues Dorfgefühl. Wir „Zuagrasten“ waren plötzlich Teil der Gemeinschaft. Jede oder jeder gehört doch irgendeiner „Gruppe“ an: Familie, Freunde, Kollegen, Urlaubsbekanntschaften, Arbeitsgemeinschaften, Kursgemeinschaften, . . .

 

Ich besuche mit meinem Mann schon seit Jahren einen Englischkurs für 60+. Das ist derzeit nicht möglich. Aber nun habe ich den Kurs virtuell, über face to face – Telefonie weiter organisiert. Das war auch für die anderen Best Ager etwas Neues. Und das funktionierte so

gut, alle waren begeistert! Oder ein tägliches „Guten Morgen, wie geht‘s? Alle gesund?“ und schon ist niemand mehr einsam, auch wenn er/sie allein wohnt.

 

Mal sehen was mir noch alles einfallen wird. Denn in jeder Krise steckt auch ein Neubeginn, ein „I trau mi“!

i trau mi - Kolumnistin Marlene Hajek

 i trau mi - Kolumnistin Marlene Hajek

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Kommentare: 1
  • #1

    Susanne Buchner (Donnerstag, 26 März 2020 17:14)

    Liebe Marlene,
    deine Worte sprechen vielen aus der Seele. Auch wenn alles wieder gut wird, so wird nichts mehr wie vor COVID19 sein.
    Bleib gesund und denke weiterhin laut für uns alle mit!