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Interview mit i trau mi-Gründerin Nadine Izdebski (Teil 2)

     Letzte Woche haben wir euch hier Teil 1 des Interviews mit i trau mi-Gründerin Nadine Izdebski präsentiert, die dort über ihre Motivationen und Ziele spricht. Im zweiten Teil des Interviews gibt sie Einblicke in die größere gesellschaftliche Dimension ihrer Anliegen, und erklärt, wie man bei i trau mi mitmachen kann. Das Interview führte Christian Klosz.

 

     Nadine, du bist regelmäßig in Kontakt mit sogenannten „best agern“ über 55. Was sind deren wichtigste Anliegen und Wünsche, persönlich, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene?

 

Einer der wichtigsten Punkte, den ich wahrnehme, ist, die Freiheit das zu tun, was man möchte - nach dem Motto „Jetzt bin ich dran.“ Manche Träume, Ideen und Interessen sind im Berufs- und Familienleben zu kurz gekommen und wenn die Lebensmitte überschritten ist, dann setzt oft der Punkt ein, an dem überlegt wird, was einem jetzt eigentlich wirklich wichtig ist und was nicht. Manche verlassen dann auch von selbst noch vor der Pensionierung ihren Arbeitsplatz, weil sie die Werte des Unternehmens nicht (mehr) teilen oder sich mit der Unternehmenskultur nicht mehr anfreunden können. Ich sehe auch ganz oft den Wunsch danach, die eigene Lebenserfahrung und Fähigkeiten weiterzugeben. Allerdings ist es gar nicht so leicht, jemanden zu finden, der sich genau für diese Erfahrung interessiert – bei i trau mi soll unter anderem genau das Problem gelöst werden.

 

Auf gesellschaftlicher Ebene wünschen sich Best Ager mehr (Be-)Achtung. Vor allem jene, die nicht mehr erwerbstätig sind, haben oft das Gefühl, für unsere Gesellschaft nicht mehr relevant zu sein. Alte Menschen haben bei uns bei weitem nicht so einen hohen Stellenwert wie in anderen Ländern, wo man die „weisen Alten“ um Rat fragt. Bei uns habe ich Fälle beobachtet, in denen alte Menschen in den Öffis grob angerempelt wurden, weil sie zu langsam unterwegs waren.

     

     Kann auch die Politik Maßnahmen setzen, um sich mit diesem Thema zu widmen? Was wären deine Wünsche an die Politik?

 

Ja, die Politik gibt Rahmenbedingungen vor und ist daher maßgeblich Gestalter der Lebensrealität der Bevölkerung. Etwa durch das Setzen des Pensionsantrittsalters, Pensionsreformen, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen usw. Meine Wünsche an die Politik sind vielfältig. Als ersten Schritt wäre es gut, sich dem Trend „Silver Society“ ernsthaft anzunehmen und zu überlegen, wie der Staat mit der Überalterung der Gesellschaft umzugehen gedenkt. Bis jetzt erkennen offenbar recht wenige Politiker, welche Herausforderungen diese Entwicklung mit sich bringt. Das Thema ist auch komplex, weil es eben so viele Bereiche gibt, die man hier mitbedenken muss – vom Arbeitsmarkt angefangen bis zur Pflege. Welcher Politiker greift schon gerne etwas an, wo man ein riesiges Fass aufmachen muss?

 

          Seit kurzem gibt es auch regelmäßige i trau mi-Clubtreffen. Was passiert dort bzw. wie kann man sich so ein Clubtreffen vorstellen?

 

Der i trau mi – Club bietet Best Agern die Möglichkeit, Neues zu entdecken und in einer Gemeinschaft zu sein. Jedes Clubtreffen folgt einem von drei Formaten und hat ein eigenes Thema. Bei „i trau mi… in die digitale Welt“, geht es darum, sich mit den Möglichkeiten im Internet - von der Nutzung sozialer Medien angefangen bis zur Ticketbuchung - vertraut zu machen und „am Ball zu bleiben“. Dann haben wir das Format „i trau mi…mitreden“ wo unterschiedlichste alltägliche Themen diskutiert werden. Ein Best Ager hält einen Vortrag und dann wird diskutiert. In diesem Rahmen hat jede/r die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen zu teilen, Aufmerksamkeit zu bekommen und neue Perspektiven kennenzulernen. Das dritte Format unseres Clubs heißt „i trau mi…präsentieren“. Hier präsentieren Best Ager ihre Ideen und Projekte, die anderen geben Feedback und stellen Fragen.

 

          In welcher Form kann man bei i trau mi mitmachen?

 

Aktuell bieten wir einerseits den Club an, und ab Anfang März eine Akademie, die in zwei Semestern dabei begleitet, eine eigene unternehmerische oder kreative Idee zu verwirklichen. Das Programm der Akademie lautet „Vom Träumen ins Tun kommen“.

 

Wer uns kennenlernen möchte, kommt am besten Schnuppern zu einem unserer Clubtreffen. Die meisten merken ganz schnell, ob sie sich bei uns wohl fühlen und mit unserem Angebot etwas anfangen können. Unser Slogan ist ja „Bei uns bist du richtig“. Damit meinen wir, dass sich bei uns jede/r etwas findet, weil wir versuchen, sehr vielfältige Bedürfnisse oder Wünsche ansprechen.

 

 

 

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