"Malen als Begleiter am Weg zu sich selbst" - Eine Nachlese

Wir vom i trau mi-Club wollten diesmal erfahren, welchen Stellenwert „Malen als Begleiter am Weg zu sich selbst“ für Menschen fernab ihres Berufslebens hat. Kinder wachsen mit dem Zeichnen und Malen auf, in der Schule ist es ein Unterrichtsfach. Viele Menschen kehren nach ihrem Erwerbsleben zu dieser Ausdrucksmöglichkeit zurück oder nehmen das Thema erstmals auf. An Volkshochschulen findet sich dazu ein breites Angebot an kreativen Kursen. Leider wird das Malen in der Pension oftmals von Außenstehenden belächelt, nach dem Motto: „Daran kann man ja nicht wirklich einen künstlerischen Anspruch stellen.“

 

Susanne Stuppacher im Gespräch mit Ilse Küchler, Christine Moser & Roswitha Schaffer


Unsere drei Gäste mit sehr unterschiedlichen bildnerischen Ansätzen:

Für Ilse Küchler ist das Malen die Erfüllung eines Kindheitstraumes, ein langer Prozess der Höhen und Tiefen, ein kontinuierliches Studium verschiedener Techniken. Es ist der Drang, eigene Sichtweisen und innere Welten manifest zu machen. Und es ist eine Kompensation für ihr stilles und zurückhaltendes Wesen. Ihre Bildsprache ist lichtvoll und energetisch.

 http://kuechler-art.at/


Christine Moser hat schon immer gezeichnet und hat sich Maltechniken autodidaktisch angeeignet. Sie malt aus dem Bauch heraus, ohne konkretes Bild vom Ergebnis. Ideen fängt sie aus dem kollektiven Unbewussten auf und verlässt sich in der Umsetzung auf die Anleitung durch ihr inneres Kind. Für sie ist Malen authentisch und uneigennützig. Ihre Bilder sind farbkräftig und bestechen durch eine wandelbare Ornament-Sprache.


Roswitha Schaffer wendet Malen als Entspannung schon sehr lange an. Malen ist für sie Therapie. Unterschiedliche Stimmungen werden durch unterschiedliche Farben reflektiert. Ihr geht es beim Malen darum, Hemmungen, Bewertungen, Blockaden spürbar zu machen und sich anschließend davon zu befreien. Sie lebt damit befreiendes kreatives Sein.


Malen ist eine Form des persönlichen Ausdrucks und der Kommunikation.

 

Malen, das nicht wie bei professionellen KünstlerInnen der Deckung des Lebensunterhaltes dient, wird in zwei Bereiche unterteilt, die es unbedingt zu unterscheiden gilt:

  1. Malen als therapeutisches Ausdrucksmittel zur Selbstfindung dient vorübergehend der Erkenntnis, dem Aufarbeiten und dem Heilen.
  2. Malen als persönliches Ausdrucksmittel geschieht aus permanentem, innerem Drang und steht für Kommunikation und individuelle Aussagekraft.

 

Menschen wenden sich im Ruhestand meist dem Malen (oder Handwerken, Musizieren, Schreiben, Tanzen, Schneidern etc.) zu, wenn es schon immer ihre Neigung, ihre Vorliebe oder ihr ungelebter Traum war und verwandeln damit diese Lebensphase in den neuartigen „Unruhestand“.

 

Wer also zu malen beginnt, dessen Faszination erliegt, von einem inneren Drang ergriffen wird und Erfüllung erlebt, versucht sich darin auch handwerklich zu verbessern und vertieft somit die Auseinandersetzung mit der eigenen künstlerischen Identität.

 


Unsere Erkenntnis:

Letztendlich gewährleistet jedes kreative Tool eine Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und stellt eine Rückkoppelung zu sich selbst dar.

 

Und genau darum geht es in dieser Übergangsphase von einem eher nach außen gekehrten, leistungsorientierten (Arbeits-)Alltag in einen Lebenszeitraum, der, von vielen Aufgaben und Verantwortungen befreit, dem eigenen Wesen stärker zugewandt ist. Fraglos eine Phase der tiefgreifenden Veränderung.

Der Unruhestand, oder wie wir diese Zeitspanne auch immer nennen wollen, beläuft sich mittlerweile auf 20, 30 und mehr Jahre. Das Leben ist also mit Pensionsantritt noch lange nicht vorbei, und diese Jahre wollen genutzt werden. Die Menschen in vorgerücktem Alter sind Leistung gewohnt und viel zu aktiv, um einfach „Ruhe“ zu geben und erkennen zunehmend die Gunst der Stunde. Unterstützt werden sie in ihrer Wahrnehmung durch die Tatsache, dass die älteren Semester die größte Bevölkerungsgruppe bilden (Silver Society) und somit eine weltweite Bewegung auslösen.

 

Die sogenannten Best Ager wollen in der Gesellschaft verankert bleiben und weiterhin ihren Wert und ihre Schaffenskraft einbringen.

Es lohnt sich also sehr, darüber nachzudenken, wo und in welcher Form wir unsere Energie und Aktivität beisteuern wollen.

 

Und hier kommt i trau mi ins Spiel.

 

Angenommen, nach erfolgter Karriere ist entweder eine Hinwendung zu (verborgenen) kreativen Talenten oder ein Fortführen der eigenen fachlichen Expertise die Ausrichtung für eine weiterführende Beschäftigung, dann fehlen vielfach die Angebote am Markt, um den jeweiligen Output in ein wertschöpfendes Business zu transferieren.

 

i trau mi ist in diesem Fall der Rahmen für Best Ager, um in eine Community von Gleichgesinnten einzutauchen, die eigenen Ideen und Produkte zu präsentieren, Feedback einzuholen, in offenen Austausch zu treten, Mut zu schöpfen und Wissen anzuzapfen … und von dort den nächsten Schritt zu gehen.

 

Es ist an der Zeit, das Bild des Alters zu entstauben und das Potenzial, die Weisheit, die Kreativität und die Erfahrungen der reifen und gereiften Menschen zu nutzen.

 

 

Susanne Stuppacher & Eva Jecminek


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